Stau-nen

 

„Was ist denn hier passiert!?...

Da ist man zwei Wochen in Urlaub und erkennt seinen Wald nicht wieder.“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Als ob eine Bombe eingeschlagen wär,“ steuert sein Sechsjähriger bei.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Und wie sinnlos: alles umgehauen und dann liegengelassen. Waldfrevel. Da muß ich doch gleich mal die Polizei anrufen, Anzeige erstatten, daß man die verfolgt.“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Guck mal, Papa, dieser Baum ist wie eine Brücke über den Bach gefallen. Dabei ist der doch so schmal, da kann ja sogar ich drüber springen.“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Und all das gefällte Stangenholz, das haben sie dazu getürmt“, ergänzt sein Vater.

 

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Man kann gar nicht wirklich rüber balancieren“, mault Nikolas, „Irgendwie haben die das richtig eingeflochten…“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Herr Huber wandert kopfschüttelnd durch das Chaos: überall ragen Baumstümpfe in 30-40 cm Höhe aus dem Waldboden, 

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

ihre ehemaligen Stämme liegen daneben,

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

hier und da ist die Rinde abgeschabt.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Und manche treiben auch schon wieder aus.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Papa, die sind ja spitz wie Lanzen: ob das jemand vom Mittelaltermarkt war, der neue Lanzen zum Lanzenstechen brauchte?“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Herr Huber stutzt jetzt auch. Sicher, es gibt immer so unerwartet unvernünftige Leute, die aus lauter Langweile und Unmut einfach zerstören, wo sie ungesehen zu Werk gehen können.

 

Aber das hier: diese Zuspitzung sowohl der Stümpfe als auch der Stammenden, die Bißspuren, wo die Rinde abgenagt ist, …

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

und der gefällte Baum mit dem dazwischen Geflochtenen ist schon fast ein fertiger Damm.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Herr Huber schwant, daß, wenn  er das nicht wegräumt, bald dieses kleine, flache Tal zu einem See werden wird, wenn der Damm vollendet wird und den Bachlauf staut.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Junge, sollte hier ein Biber eingezogen sein!?“

 

Heinrich Pützler, www.puetzler.de
Heinrich Pützler, www.puetzler.de

 

Sein Sohn bekommt leuchtende Augen: „Echt!!?? Geil!“

 

Ja, das auch, denkt Herr Huber, weiß er als Jäger doch, daß der Biber wegen seines Geils fast ausgerottet worden war. Dem Inhalt einer Drüse, mit der der Biber sein Revier markiert, dem aber allerlei erfundene und eventuell auch tatsächliche Wirkungsweisen für Menschen nachgesagt wurden.

 

Isabelle von Linden, getrocknetes, stark riechendes Bibergeil
Isabelle von Linden, getrocknetes, stark riechendes Bibergeil

 

Sein Sohn sammelt derweil die Späne: „Papa, die nehmen wir mit, das ist doch tolles Anmachholz!“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Beide streifen unabhängig voneinander durch den Wald: der Vater besieht sich den Schaden, sein Sohn springt von Stumpf zu Stumpf und sammelt in dem Beutel, den sie beim Rausgehen immer mit sich tragen, Holzspäne.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Plötzlich hört Herr Huber einen kleinen Aufschrei und kurz darauf ein Platschen. Jetzt sprintet er durch den Wald: Nikolas liegt im Bach, lacht und weint abwechselnd, rappelt sich auf, und steht triefnaß in seiner Mitte.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Als er näher kommt, ruft sein Sohn gegeistert: „Papa, guck mal, da ist eine Rutsche in den Bach!“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Herr Huber kann gerade noch rechtzeitig anhalten, bevor auch er in den Bach gerutscht wäre: tatsächlich, hier hat der Biber eine richtige Bahn glatt geschliffen beim Ein- und Aussteigen aus dem Wasser. Er sieht nicht mal mehr Fußabdrücke im unbedeckten Boden, so oft hat der Biber diesen Weg benutzt.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Er hilft seinem Sohn aus dem Wasser, indem er ihn an eine andere Uferstelle lotst, die noch dicht mit Sumpf-Segge (Carex acutiformis) bewachsen ist.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Dadurch ist das Ufer aber stufenhoch: sein Sohn stützt sich mit den Händen auf der Erde ab:

 

„Papa, guck mal, hier ist er auch gewesen.“

 

Tatsächlich hat der Biber hier sehr deutlich erkennbar seine Füße im Boden abgedrückt.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden
Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Guck“, sagt der Vater, „das hier sind die kleineren Vorderfüße und das hier die Hinterfüße mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Aber der Schwanz vom Biber, die Kelle, die hat sich hier mal nicht abgedrückt."

 

„Die Kelle?“, wundert sich Nikolas. „Ist denn der Biber ein Maurer?“

 

Isabelle von Linden; präparierter Biberschwanz
Isabelle von Linden; präparierter Biberschwanz

 

„Ja“, erwidert Herr Huber, „In gewißer Hinsicht ja. Aber den Schwanz braucht er zum Abstützen, wenn er sich aufrichtet,

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_wild_beasts_of_the_world_(Pl._47)_(6505656195).jpg
Finn, Frank: The wild beasts of the world ; illustrated with 100 reproductions in full colours from drawings by Louis Sargent, Cuthbert E. Swan, and Winifred Austin. https://commons.wikimedia.org/

 

und zum Steuern, wenn er schwimmt. Damit kann er auch richtig beschleunigen. Und auch zum Bauen.“

 

 

„Und wie baut der Biber dann?“

 

„Na, er fällt Bäume, zieht sie zu einem Damm zusammen und stopft die Lücken mit Schlamm und Blättern aus, bis er so dicht ist, daß er den Bach zu einem Teich aufstaut.

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

Und dann baut er sich eine Burg.“

 

„Eine richtige Burg, wie ein Ritter?“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Eine Burg, so wehrhaft, daß er darin gut geschützt ist.“

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

„Vor wem denn?“

 

„Na, heutzutage gibt es kaum noch wildlebende Tiere, die ihm gefährlich werden könnten“, führt Herr Huber an.

„Aber Bär und Wolf haben früher schon Jagd auf Biber gemacht, besonders auf die kleinen.“

 

 Foto: Dirk Paeschke, www.kostenlos-fotos.de
Foto: Dirk Paeschke, www.kostenlos-fotos.de

 

„Hat seine Burg auch Zinnen? Wie hoch ist sie? Wo ist sie denn?“, sprudelt es aus seinem kleinen Mittelalterfan heraus.

 

„Seine Burg sieht ein bißchen aus wie der Damm, nur runder. Sie hat einen Eingang unter Wasser, das mag z.B. ja der Wolf gar nicht.“

 

„Dann wohnt er unter Wasser?“ staunt Nikolas.

 

„Nein, die Wohnhöhle unter dem Aststapel ist dann wieder über Wasser“, erklärt Herr Huber. „Er baut sogar in zwei Geschossen in seiner Burg.“

 

"Hier in Heinsberg baut er auch gleich in die Uferböschung."

 

Isabelle von Linden
Isabelle von Linden

 

 „Und nun gehen wir mal schleunigst nach Hause in unsere Wohnhöhle, damit auch du aus dem Wasser kommst“, leitet der Vater über. „Hast ja kein dichtes Biberfell…“

 

Isabelle von Linden, Biberfell
Isabelle von Linden, Biberfell

 

„Können wir nicht noch die Burg suchen?“, bettelt Nikolas.

 

„Das machen wir heute Abend. Da gehen wir noch mal raus, wenn es schon dämmert, und schauen mal, ob wir den Biber nicht beobachten können. Jetzt schläft er nämlich.“

 

Aufgeregt folgt Nikolas dem Papa zum Auto: was für ein Abenteuer, mit dem Vater still in der Dämmerung am Baum gelehnt zu sitzen und zu warten, bis der Biber kommt. Ganz still zu bleiben, damit man ihn nicht verschreckt, und nur zu gucken.

 

Er liebt diese Ausflüge. So hat er auch schon einen Dachs kennengelernt und beobachtet.  

 

Isabelle von Linden, 2017

Notfallnummer im Falle, dass Tiere ausgebrochen sind:

0157/54954980

 

 

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