Flüsse als natürliche Barrieren

 

Im Kreis Heinsberg wurden über weite Strecken die vorhandenen Fließgewässer Wurm, Erlenbach und Rur als "natürliche" Wallstrukturen genutzt, die mit zusätzlichen Bunkeranlagen gesichert wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Flüsse und Bäche – wie fast überall in Deutschland – in weiten Bereichen stark begradigt. So entspricht der jetzige Verlauf der Fließgewässer nicht in allen Teilen dem "historischen" Verlauf des Westwalls.

 

Im südlichen Teil des Kreises wird der Verlauf des Westwalles durch die Wurm geprägt, die hier westlich von Schloss Rimburg bei Übach-Palenberg in den Kreis eintritt. Südwestlich von Hückelhoven wird die Wurm, die hier in nordwestlicher Richtung abbiegt, durch den Erlenbach im Westwallverlauf ersetzt. Der mündet etwa zwei Kilometer weiter nördlich in die Rur. Direkt südlich von Wassenberg biegt allerdings auch die Rur in nordöstlicher Richtung ab, wohingegen der Westwall weiter in nordöstlicher Richtung verlief.

 

Wurm, Rur und Erlenbach

 

 

Alle drei beteiligten Fließgewässer wurden während des letzten Jahrhunderts mehr oder weniger stark begradigt (Abb. 1) und weisen ein einheitliches Trapezprofil auf. Die Uferlinien wurden mit Steinpackungen befestigt. Die Böschungen sind zumeist mit Gehölzen oder mit grünlandähnlichen Säumen bewachsen. In regelmäßigen Abständen wurden Sohlgleiten (siehe Abb. 2) eingebaut, die die Höhenunterschiede im Gewässerverlauf ausgleichen sollen, ohne die Wanderbewegungen der im Wasser lebenden Tiere allzu stark zu beeinträchtigen.

Abb.1: Begradigte Wurm westlich von Schloss Rimbur

 

Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. 

Abb.2: Sohlgleite in der Wurm westlich von Übach-Palenberg

 

Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. 

Die Wurm

 

 

Bei der Wurm handelt es sich um einen kleineren, etwa fünf bis sieben Meter breiten Fluss, der mittlerweile im Kreis Heinsberg in drei Teilbereichen renaturiert wurde. Im Jahre 2006 wurde in dem Bereich südlich von Geilenkirchen der Flussverlauf "aufgelockert" und mit leichten Mäandern versehen. Allerdings wurden die Ufer mit einem trapezähnlichen Profil versehen, sodass sich kaum eine naturnahe Flussdynamik entwickeln kann. Direkt nördlich von Übach-Palenberg erfolgte dann im Jahr 2013 die zweite Renaturierung, bei der verstärkt auch Flachuferbereiche geschaffen wurden (Abb. 3), ebenso wie bei der dritten Renaturierung Ende 2017 südlich von Schloss Trips im Norden von Geilenkirchen (Abb.4).

Abb. 3: Renaturierung der Wurm aus dem                                      

Jahr 2013 nördlich von Übach-Palenberg  

 

Abb. 4: Renaturierung der Wurm aus dem

Jahr 2017 südlich Schloss Trips

                                                

 

Fotos: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V

Durch die Schaffung von Mäandern und vergrößerten Auenbereichen wurde mehr Struktur in den sonst sehr geraden Verlauf der Wurm eingebracht. Diese renaturierten Gewässerabschnitte bieten Ruhe- sowie Reproduktionsräume für diverse Fische und Kleinlebewesen wie Amphibien oder Libellen. Ferner sind in diesen Bereichen Mosaike aus Röhrichten und Gebüschen zu finden. Auch Übergänge zu feuchten Offenlandbereichen konnten dadurch wieder hergestellt werden. Dadurch wurden kleinräumig verschiedene Lebensräume geschaffen.

 

Die Renaturierung von Auenlandschaften führt auch dazu, dass sich bei Hochwasser das Wasser in dem Auenbereich verteilen kann. Dadurch sinkt der Wasserstand im folgenden Flussverlauf und richtet weiter unterhalb keine Schäden an. Solche Maßnahmen dienen neben dem Natur- auch dem örtlichen Hochwasserschutz. Strukturreiche Landschaftselemente wie diese Renaturierungen sind heute selten geworden. Für den Biotopverbund sind sie deshalb von besonderer Bedeutung. Als Trittsteine sind sie vor allem mit den Flachwasserbereichen wichtige Verbindungselemente entlang des Wasserverlaufes. Gehölzstrukturen sind vorwiegend für Vögel wie die Goldammer oder die Dorngrasmücke interessant.

 

Der Erlenbach

 

 

Mit etwa vier bis fünf Meter Breite ist der Erlenbach, wie der Name schon sagt,  eher als größerer Bach anzusprechen (s. Abb. 5). Dieser Bach mündet westlich von Hückelhoven in die Rur, besitzt aber etwa 2,3 Kilometer südöstlich einen künstlichen Anschluss an die Wurm, die insbesondere bei Hochwasser einen Teil der Wassermenge über den Bach in die Rur abgibt.

Abb. 5: Erlenbach westlich von Hückelhoven          

 

Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V.

Die Rur

 

 

Bei der Rur schließlich handelt es sich um einen größeren, bis etwa 25 Meter breiten Fluss (Abb. 6), der den Kreis Heinsberg in nordwestlicher Richtung durchfließt und schließlich in den Niederlanden bei Roermond in die Maas mündet.

Abb. 6: Rur westlich von Hückelhoven. Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. 

Vegetation entlang der Fließgewässer

 

Entlang der Fließgewässer handelt es sich vorwiegend um Vegetation des Offenlandes, in welches regelmäßig Kleingehölze eingestreut sind (s. Abb. 9). Im weiteren Umfeld von Wurm, Erlenbach und Rur sind vorwiegend Grünländer und Äcker zu finden, die überwiegend intensiv genutzt werden und teilweise bis fast direkt an die Uferböschungen heranreichen (s. Abb. 8). Ackerbaulich genutzte Flächen besitzen hierbei den größeren Flächenanteil, der Grünlandanteil ist allerdings doch deutlich höher als auf den weiter von den Ufern liegenden Bereichen.

 

 

Etwas größere Waldflächen sind im direkten Umfeld der Flüsse sehr selten. Der Rimburger Waldes südlich von Übach-Palenberg stellt hier eine Außnahme dar. Hier finden sich noch größere Buchenwaldbestände mit zum Teil sehr alten Buchen und Eichen (s. Abb. 7). 

Abb. 7: Alter Buchenbestand im Rimburger Wald. Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. 

Abb. 8: Die Rur südlich von Hückelhoven-Ratheim begleitet von Gehölzstrukturen und landwirtschaftlich genutzter Fläche. Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. 

Abb. 9: Wiesenvegetation mit vereinzelten Kopfweiden an der Wurm nordöstlich von Geilenkirchen

Während man im Bereich der Rur regelmäßig noch etwas artenreichere und magere Wiesenbestände an den Uferböschungen findet, sind die Böschungen entlang des Erlenbaches und der Wurm deutlich stärker mit Nährstoffen angereichert und entsprechend artenarm. Der hohe Nährstoffüberschuss zeigt sich vor allem durch das vermehrte Wachstum von Brennnesseln und anderen nitrophilen Stauden.

 

Die artenreicheren Grünlandbestände hingegen zeichnen sich durch einen deutlich höheren Anteil an verschiedenen Kräutern. Hier sind u.a. noch die Wiesen-Margerite und Glockenblume zu finden (s. Abb. 10 & 12).

 

 

Eine weitere bemerkenswerte Pflanze, die gelegentlich an den Flussufern zu finden ist, ist der bis über zwei Meter groß werdende Gefleckte Schierling (s. Abb. 11). Mit seinem Trank aus Früchten oder Wurzel wurden im Altertum Verurteilte hingerichtet. So auch der griechische Philosoph Sokrates. 

Abb. 10: Wiesen-Margeriten-Aspekt

 

Foto: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V.

Abb. 11: Gefleckter Schierling

Abb. 12: Rapunzel- Glockenblume

 

Fotos: Gerrit Bremer, Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V.        

Abb. 13: Echtes Labkraut